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  • Antje Nagula

Das älteste Gebet der Welt: Das Gayatri Mantra

Aktualisiert: März 18



Der Anfang

Das Gayatri Mantra ist für mich pure Magie! Ich kann mich noch genau erinnern, als ich es zum ersten Mal hörte: Ich war noch sehr jung und spirituell recht unerfahren. Fasziniert von allem "Übersinnlichen" buchte ich eine "Engelsitzung" bei dem Frankfurter Medium Ute Prema Kanthak. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartete. Die Sitzung begann damit, dass Ute das Gayatri Mantra sang und während dessen in völlige Trance fiel. Über Jahre hinweg erlebte ich dann oft und oft, wie Ute unweigerlich immer dann in Trance fiel, wenn sie dieses Mantra sang. Ihre Stimme sank dabei mit jeder Wiederholung ab - und nach dreimaliger Wiederholung war sie "weg". Natürlich erlernte ich die Worte des Gayatri-Mantras sehr schnell und versuchte selbst, es zu rezitieren. Vor allem, weil der große indische Heilige Sai Baba von diesem Mantra sagte, dass einem abstürzenden Flugzeug nichts geschehen würde, wenn auch nur ein Mensch darin das Gayatri-Mantra rezitieren würde. Keine Frage, was ich seitdem bei jedem Start und jeder Landung im unhörbaren Zustand vor mich hin murmele ... das Gayatri Mantra natürlich!


Die tägliche Praxis

Seit meinen Jahren, die ich auf Bali verbrachte, zählt es zu meiner eigenen, täglichen Yoga-Praxis. Dort singt der Priester jeden Morgen genau zum Sonnenaufgang das Gayatri Mantra, weithin vernehmbar und über das ganze Dorf hin schallend.

Ein Tag beginnt mit der dreimaligen Wiederholung dieses Mantras. Wenn es in Deutschland im Winter morgens noch sehr dunkel ist, zünde ich eine Kerze dabei an, denn das Gayatri-Mantra ist ein Mantra des Lichtes und der Sonne als Symbol für den "Glanz des Göttlichen". Dabei soll die Sonne natürlich unseren Geist erleuchten als Sonne des spirituellen Firmamentes. Durch den uralten Klang der Worte schließe ich mich an ein großes, energetisches Lichtfeld an, das Meditierende schon 4000 Jahre lang geschaffen haben und noch immer erweitern! Wenn ich das Mantra dann auf meinem Grundton singe (morgens natürlich noch in der tiefen Oktave), bewirkt diese tägliche Praxis, dass ich mich vollkommen zentriere und so dem Tag gelassen und heiter entgegen sehen kann.


Die Worte


OM BHUR BHUVAH SVAHA

TAT SAVITUR VARENYAM

BHARGO DEVASYA DHIMAHI

DHIYO YO NAH PRACHODAYAT


Wollte man diese Worte übersetzen, so könnte man es vielleicht folgendermaßen sagen:


Om, Urton und Wort aus dem alles entsteht,

grobstoffliche Erde, feinstofflicher Äther, Kausalwelt,

verehrungswürdiges, höchstes Sein, lebensspendende Kraft!

Lasst uns meditieren über den Glanz des Göttlichen!

Möge die höchste Geisteskraft uns erleuchten!“


Das Mantra hat eine stark reinigende Wirkung, vor allem wenn man es schafft, das Mantra regelmäßig drei mal am Tag, nämlich am Morgen zwischen 4-8 Uhr, am Mittag und am Abend zwischen 16-20 Uhr zu rezitieren. Dabei soll das Mantra jeweils MINDESTENS 3 Mal wiederholt werden. Nach oben sind den Wiederholungen keine Grenzen gesetzt. Rezitiert man es mit den 108 Perlen einer Japamālā, so habe ich es als sehr zentrierend und überaus kräftigend und erhebend erlebt.


Die Melodie

In der Wahl der Melodie ist der Praktizierende dabei völlig frei! Um in meinen Singkreisen den Adepten dieses Mantra in einer leicht verständlichen Weise nahe zu bringen, habe ich eine sehr einfache Melodie geschrieben, die man schnell abnehmen und mitsingen kann. Dies ist am Anfang mit Sicherheit der einfachste Weg, um das Mantra zu üben, so lange man seinen eigenen Grundton vielleicht noch nicht kennt oder beim Singen alleine noch etwas verunsichert ist. Diese Fassung zum Mitsingen findet sich auf meiner CD "Öffne Dich und singe" im Rahmen einer wunderbaren Basismeditation für jeden Suchenden auf seinem spirituellen Weg.


Das Versmaß

Als "Gayatri" wird auch ein Versmaß der indischen Literatur bezeichnet, und so werden einem Gayatri-Mantras für viele Gottheiten immer wieder begegnen. Dennoch ist das o.g. Gayatri Mantra quasi die "Mutter" aller Gayatri-Mantras.

Die Göttin

"Gayatri" ist jedoch auch tatsächlich die Urmutter/Schöpfergöttin im indischen Götterhimmel und die Verkörperung des Gayatri-Mantras als Gottheit.

Dazu gibt es folgende, entzückende Geschichte, welche die Bedeutung dieser Gottheit offenbaren mag:


Einmal befand sich ein stolzer und angesehener Gelehrter auf einer Reise.

Tief im Wald begegnete er einer Frau, deren Schönheit ihn absolut hypnotisierte.

Als er in ihre Augen blickte, wurde er so verwirrt, dass er nicht mehr denken konnte.

Der Panik nahe sagt er: „Schöne Frau, löse den Zauber, den Du über mich gebracht hast.

Ich habe mein ganzes Wissen vergessen. Ich bin verloren.“

Sie ignorierte jedoch seine Bitte und wies ihn nüchtern an, ihren Busen anzublicken.

Mit schwindelndem Kopf gehorchte er. Ihre milchweiße Haut wurde lichtdurchlässig und strahlte ein Licht aus, das aus ihrem Herzen leuchtete. Als das Licht heller wurde, sah er, daß sie in ihrem Busen alle Götter und Göttinnen sowie alle Galaxien des Universums trug. Er fiel ihr verzückt zu Füßen und flehte sie an: „Himmlische Göttin, sage mir, wer du bist, damit ich dich anbeten kann.“

Milde lächelnd segnete sie ihn und sprach: „Ich bin Gayatri, Licht der Vedas, Mutter des Universums, Ursprung von allem Seienden.“

Von dieser Einweihung gewann der Gelehrte die Weisheit kindlicher Demut. Er wurde ein großer Anbeter der Göttlichen Mutter und ein Diener der ganzen Menschheit.


Die Mythologie

Die indische Mythologie sagt, dass Gayatri durch einen Zufall die Gattin des höchsten Schöpfergottes Brahma wurde: Brahma beabsichtigte, ein Ritual durch zu führen. Zum Gelingen eines Rituals ist neben der männlichen jedoch auch die Anwesenheit der weiblichen Kraft in Indien unabdingbar. Brahmas Gattin Saraswati war aber nicht rechtzeitig zur Stelle und so heiratete Brahma die schöne Göttin Gayatri und vollzog das Ritual mit ihr.

Eine andere Legende aus der indischen Region Bengalen sagt, dass sie neben der Saraswati und der Ganga eine der drei Gattinnen des Gottes Vishnu war. Ganga und Saraswati lagen jedoch unablässig in Streit miteinander, so dass Vishnu die Ganga dem Gott Shiva anvertraute und die Saraswati dem Gott Brahma. Vishnu behielt nur Gayatri als seine Gemahlin.


In der indischen Mythologie stehen die drei Göttinnen Gayatri, Savitri und Saraswati für den Tageslauf der Sonne:

Gayatri für die aufgehende Sonne am Morgen,

Savitri für die Sonne in ihrer höchsten Kraft am Mittag und

Saraswati die untergehende Sonne am Abend.

Deshalb werden die drei Göttinnen oftmals nicht differenziert, sondern von den Schriften als miteinander identisch betrachtet.


Die Darstellung

Dargestellt wird die Göttin Gayatri oftmals mit 5 Köpfen und 10 Armen. Sie ist reich geschmückt und sitzt traditionell auf dem Lotos, dem Sitz der Götter. Hinter ihr leuchtet eine Sonnenscheibe, welche ihren Kopf wie ein Heiligenschein umgibt.

Der Schwan ist das Tier, welches sie begleitet. Auf dem mittleren Kopf trägt sie die Mondsichel als Zeichen für das Weibliche und den Frieden.

In ihren 10 Händen trägt sie zahlreiche Attribute als Ausdruck ihrer vielen Fähigkeiten:

eine Muschel (Shankha) als Symbol für den Schöpfungston, die Schöpfungskraft,

ein Zepter (Danda) und eine Keule (Gadā) als Symbole von Macht,

ein Beil (Parashu) um die Anhaftungen zu durchtrennen,

eine Schale mit Reis als Zeichen ihrer nährenden und Nahrung spendenden Fähigkeit,

eine Gebetskette (Japamālā) als Zeichen für Meditation und Erkenntnis,

eine Lotosblüte (Padma) als Symbol der Unberührtheit und Reinheit,

eine Diskusscheibe/Rad (Cakra) als Symbol für die Zeit und den Kreislauf der Schöpfung von Leben und Tod.

Ihre obere rechte Hand gewährt Schutz (Abhaya-Mudrā),

die untere linke Hand gewährt Wünsche (Varada-Mudrā).


Die Herkunft

Das Mantra stammt aus dem Rigveda, welche zu den ältesten Schriften der Welt zählen und auf 3.500 - 4.000 Jahre rückdatiert werden. Der weise Rishi (Bezeichnung für einen Seher) Vishvamitra soll es empfangen und niedergeschrieben haben.

Es gilt als das älteste, überlieferte Gebet der Welt.

Durch die große spirituelle Kraft, die man mit dem Praktizieren dieses Mantras entfalten kann, war es nur hochgestellten Brahmanen erlaubt es anzuwenden und wurde als geheime Formel Jahrtausende lang stets nur vom Meister an den Schüler weiter gegeben. Erst der indische Avatar Sai Baba hat in den 60er Jahren des 20. Jhdts. damit Schluß gemacht und diese Worte allen Menschen zur Verfügung gestellt, gleich welchen Geschlechts, welcher Religion, welcher Rasse oder sozialen Schicht.

Seitdem wird das Mantra auf der ganzen Welt praktiziert.



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